Trendspotting in der Tourismusbranche

 
Leere Strände, viel Platz im Flieger, keine Schlangen am Abendbuffet? Eine Freude für jeden Touristen, weniger für die Wirtschaft. Auch die Tourismus- und Hotelbranche leidet unter der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Aber nicht lange, sagen Experten. Neue Konzepte sind gefragt. Und damit auch qualifiziertes Fachpersonal, das flexibel auf neue Situationen und die Herausforderungen der Zukunft reagiert. Die gegenwärtigen Zahlen lösen keine Euphorie aus. Laut der Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO) konnte der Wirtschaftszweig im Jahr 2008 nur ein Wachstum von zwei Prozent verzeichnen, gemessen an der Zahl der internationalen Reiseankünfte. Im Jahr 2009 werden die Zahlen voraussichtlich stagnieren. Aber wird der Stellenwert der Branche deswegen sinken? „Der Tourismus gilt international als robuste Wachstumsbranche. Er kann auf echte Boom-Jahre zurückblicken, weltweit wie auch in Deutschland“, so Bundestagsabgeordneter Ernst Hinsken, Beauftragter der Bundesregierung für Tourismus.


Wie sehen es die Global-Player? Die Teilnehmer auf dem Welttourismusforum in Luzern gaben sich optimistisch. Tourismus sei eine relativ resistente Branche und erhole sich schnell von Krisenzeiten, so der Tenor der über 130 Topmanager, die Ende April 2009 aus allen Kontinenten angereist waren. Das Wachstum pausiert. Aber Resignation ist fehl am Platze, handelt es sich doch um eine Branche, „die vom vitalen Reisebedürfnis der Menschen lebt“, so Hinsken. Keine Krise wird das Fernweh eindämmen. Das verdeutlichen die gegenwärtigen Reise-Trends, die das Welttourismusbarometer 2009 der UNWTO aufzeigt: Insbesondere „Short-Distance-Travels“, Besuche von Freunden und Verwandten (kurz: VFR – „Visiting Friends and Relatives“), „Special Interest“ und Individualtourismus erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Branche müsse sich außerdem auf kurzfristige Entscheidungen einstellen, da die Kunden zögerten und spezielle Angebote abwarteten. Reiseländer seien begehrt, in denen der Wechselkurs besonders günstig ist. Hier sind Fachleute in der Planung gefragt, gerade in Krisenzeiten.


„Eine Ausbildung in der Hotel- und Tourismusbranche muss sich stets an den Entwicklungen des Marktes orientieren“, so Antoinette Klute-Wetterauer, Leiterin der Angell Akademie Freiburg und Gründungspräsidentin der Internationalen Fachhochschule Bad Honnef-Bonn. Trends verlangen nach neuen Konzepten – und nach Fachpersonal, das mit Spontaneität und Erfindungsgeist den veränderten Reisebedürfnissen zu begegnen vermag. Dies gilt international wie regional: „Nur wer flexibel reagiert, wird sich in der ständig verändernden Tourismuswelt auf Dauer zurecht finden. Flexibilität wird eine der wichtigsten Eigenschaften der Tourismuszukunft sein“, so heißt es im Branchenspiegel für Tourismus und Freizeitwirtschaft in Südbaden. An der Angell Akademie wird diese Forderung in die angebotenen Ausbildungsund Studiengänge integriert.


Der Tourismus hat in Zukunft noch größere Herausforderungen zu meistern. Zwei Stichworte sind die Klimaerwärmung und der demographische Wandel. Die Branchenvertreter auf dem Welttourismusforum in Luzern waren sich einig darüber, dass Nachhaltigkeit im Tourismus einen noch höheren Stellenwert erhalten wird. Eine spezielle Auszeichnung umweltfreundlicher Produkte sei vonnöten, um auf die Kundenwünsche nach umweltverträglicherem Reisen zu reagieren. Daneben erfordere die alternde Bevölkerung Europas und Nordamerikas eine neue Produktgestaltung. „Die Tourismusbranche steht vor der Herausforderung, eine besonders reiseerfahrene und anspruchsvolle Klientel umwerben zu müssen“, wie Hinsken feststellt. Insbesondere der Wellness- und der Gesundheitstourismus sind als Wachstumsmärkte auszumachen. Die Tourismusbranche hat also auch aktuell gute Gründe, optimistisch zu sein. Und für junge, motivierte Leute gilt: Eine Ausbildung im Bereich Tourismus oder Hotellerie ist immer noch eine gute Investition in die Zukunft.

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